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Die unter dem „Lila Winkel“ litten
Wetteraukreis - Büdingen
Geschrieben von: Hans-Joachim Schalies
am: Montag, 02. April 2018 um 09:44 - Gelesen: 3459 mal

Die unter dem „Lila Winkel“ litten – Martin Niemöller und seine Bewunderung für die „Ernsten Bibelforscher“.

 

Martin Niemöller lebte vom 14. November 1945 bis Mai 1948 im Büdinger Schloß, wo ihm die heute als Bibliothek dienenden Zimmer im sogenannten „Krummen Saal“ als Wohnräume zur Verfügung gestellt wurden. Er traute 1935 Otto Friedrich Fürst zu Ysenburg und Büdingen mit Felizitas Prinzessin zu Reuß jüngere Linie, die Eltern des heutigen Fürsten zu Ysenburg und Büdingen. Niemöller war von 1937 bis 1945 als persönlicher Gefangener Adolf Hitlers in den Konzentrationslagern Sachsenhau-sen und Dachau inhaftiert. Dort lernte er auch die Zeugen Jehovas kennen. Von 1947 bis 1964 war Martin Niemöller Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

 

In dieser Zeit des NS-Regimes gab es eine kleine Religionsgemeinschaft, die ge-schlossen für ihre Glaubensüberzeugungen eintrat. Es waren die Zeugen Jehovas, damals noch als Internationale Bibelforscher-Vereinigung bekannt. Dazu gehörte sowohl die Verweigerung des Hitlergrußes als auch die Weigerung sich in irgendeiner Form am Kriegsdienst zu beteiligen. Auch sangen sie keine patriotischen Lieder und traten auch nicht in die NSDAP oder deren Jugendorganisationen ein. Deshalb führte ihr Weg oft in die Gefängnisse und dann in die Konzentrationslager. Dort wurden sie mit dem „Lila Winkel“ stigmatisiert, der sie als Bibelforscher kenntlich machte. Die Bibelforscher mussten dafür einen hohen Blutzoll bezahlen. Von den damals 25.000 Mitgliedern kamen über 10.000 in Haft. Unter ihnen befanden sich auch vier Bibelforscher aus dem Büdinger Land. Über 350 bezahlten Ihre Verweigerung mit dem Tod durch Erschießen oder mit dem Fallbeil. Doch dadurch ließen sie sich nicht von ihrer Überzeugung abbringen, ihrem Gott Jehova die Treue zu schwören.

Interessant für Büdingen ist auch, dass sich dort, wo sich später zwei Königreichssäle der Zeugen Jehovas befunden haben, auch die Nationalsozialisten tätig waren. In der Düdelsheimer Straße 35 befand sich das Büro der NSDAP. Im späteren Königreichssaal in Büches fanden zur Zeit des NS-Regimes sogenannte

Morgenfeiern der Hitlerjugend statt.

Martin Niemöller erwähnt die Bibelforscher mit großer Hochachtung.

In seinem Werk „Ach Gott vom Himmel sieh darein (Sechs Predigten)“ (Chr. Kaiser Verlag, München, 1946, Seite 27 und 28) schreibt er Folgendes:

„Nein, Gott will den Krieg nicht. Sein Gebot steht eindeutig und klar vor uns, die wir sein Wort kennen, und es heißt: Du sollst nicht töten. Wer Gott verantwortlich machen will, der kennt Gottes Wort nicht oder will es nicht kennen. Freilich, das ist eine andere Frage, ob nicht wir Christen ein gut Teil Schuld an den ewigen Kriegen tragen? Und von dieser Frage kommen wir so leicht nicht los, man hat mit Recht darauf hingewiesen, dass bis in unsere Tage hinein die Kirchen selten ein Wort gefunden haben, um deutlich zu sagen, dass Kriege kein erlaubtes und von Gott gebilligtes Mittel sind, um noch so gute und berechtigte Ziele zu erreichen; man kann mit gleichem Recht daran erinnern, dass sich die christlichen Kirchen Jahrhunderte hindurch immer aufs neue dazu hergegeben haben, Kriege, Truppen und Waffen zu segnen, und dass sie in ganz unchristlicher Weise für die Vernichtung der Kriegsgegner gebetet haben. Aber das ist unsere Schuld und die Schuld unserer Väter, aber gewiß nicht Gottes Schuld – Und zumal wir Christen von heute stehen beschämt da vor einer sogenannten Sekte wie der der ernsten Bibelforscher, die zu Hunderten und Tausenden ins Konzentrationslager und in den Tod gegangen sind, weil sie den Kriegsdienst ablehnten, und sich weigerten, auf Menschen zu schießen:“

Auch Bischof Dr. Hanns Lilje, ehemaliger Landesbischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Hannover, erinnert sich gerne an die Bibelforscher. Er berichtet über den Bekennermut dieser Christen: „Sie können für sich in Anspruch nehmen, die einzigen Kriegsdienstverweigerer großen Stiles zu sein, die es im Dritten Reich gegeben hat.“

 

In einer Rede zu diesem Gedenktag im Jahr 2003 äußerte sich der baden-württembergische Landtagspräsident Peter Straub wie folgt: „Unsere Hochachtung, die sich in Worten nur schwer ausdrücken lässt, gilt deshalb allen, die um ihres Glaubens oder ihres politischen Bekenntnisses willen Verfolgung erlitten und die eher den Tod hinzunehmen gewillt waren, als sich zu beugen. Völlig verweigert haben sich den Ansprüchen des Hitler-Regimes als Religionsgemeinschaft nur die Zeugen Jehovas: Sie hoben die Hand nicht zum Hitler-Gruß; sie verweigerten den Eid auf ‚Führer und Staat‘ ebenso wie den Wehr- und Arbeitsdienst; ihre Kinder traten nicht in die Hitlerjugend ein.“

 

Die Geschichte weiß nur von einigen wenigen Gruppen zu berichten, die sich mutig dem NS-Terror entgegenstellten und ihre Stimme erhoben. Dazu gehören Jehovas Zeugen, die einmal als „winzige Insel unbeugsamen Widerstandes inmitten einer terrorisierten Nation“ beschrieben wurden. Ihre mutige Haltung ist von geachteten Historikern hinreichend dokumentiert worden.

 

 


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